4. Kompanie

Drohneur & Reserveoffizier

Erfahrungen des Leutnant der Reserve Torben Nielsen

Als Reserveoffizier des Aufklärungsbataillons 6 Holstein einen Artikel in unserer Zeitschrift „Der Aufklärer“ zu publizieren ist eigentlich nichts Ungewöhnliches. In diesem Fall ist es ein Novum. 

Zum einen soll dies mein erster Artikel in unserer Zeitschrift sein und zum anderen darf ich als erster Reserveoffizier der Bundeswehr, der von Beginn an als Reserveoffizieranwärter (ROA) in der Fähigkeit der Luftgestützten Unbemannten Nahaufklärungs-Ausstattung (LUNA) ausgebildet wurde, die Chance nutzen, um den Ausbildungsgang dieser Neuheit und Neuigkeit in Form meines militärischen Werdegangs vorzustellen.

Mein Name ist Torben Nielsen und ich bin als Leutnant der Reserve in der 4. Kompanie unseres Bataillons als Kompanieeinsatzoffizier in die Kompanieführung beordert. Momentan studiere ich an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel die Fächer Geschichte und Politik.  Meine Heimat ist Schleswig-Holstein – hier  wurde ich 1994 geboren und später aufgezogen. Nach meinem Abitur am
30. Juni 2014 in meiner Heimatsstadt Rendsburg, trat ich als
Einziger meines Jahrgangs gleich am 01. Juli 2014 in die Bundeswehr ein, um Reserveoffizier  zu werden. 

Bereits im Karrierecenter hatte ich mich direkt für die Laufbahn des Reserveoffizieranwärters mit einer Dienstzeit von drei (SaZ 3) anstatt nur zwei Jahren (SaZ 2) entschieden, da die Ausbildung intensiver sein sollte. Die ersten eineinhalb Jahre wurde ich gemeinsam mit den anderen ROA und OA  im Offizieranwärter-Bataillon 1 in MUNSTER sowie im Anschluss an der Offizierschule des Heeres in DRESDEN und in IDAR-OBERSTEIN an der Sprachenschule ausgebildet. 

In den letzten vier Monaten des Zeitraum leistete ich mein Truppenpraktikum in der 4. Kompanie des Aufklärungsbataillons 6 Holstein ab. Zwar kam man dem Standortwunsch EUTIN nach, konnte allerdings meinen eigenen Zielen des Praktikums, sowohl einen Einblick in sämtliche Fähigkeiten des Bataillons als auch in den Kompaniealltag zu erlangen, nicht entsprechen. Da die 4. Kompanie ernsthaft unterbesetzt war und eine Spähausbildung in der 2. Kompanie angeboten wurde, trat ich noch am ersten Tag eine Ausbildung zum Systembediener am Spähwagen Fennek an. Ein wirklicher Höhepunkt war die Teilnahme an einer multinationalen Übung in POLEN im Winter 2015. 

Trotz der Einblicke in die Spähaufklärung und den Brigadestab, konnten diese während des Praktikums nicht meine gesetzten Ziele erfüllen. Auf die Anfrage, ob man mir Einblicke in andere Fähigkeiten geben könne, wurde lediglich darauf verwiesen, dass ROA traditionell ausschließlich in der fahrzeuggebundenen Spähaufklärung einen truppengattungseigenen Ausbildungsnachweis erhalten können und andere Ausbildungen ausgeschlossen seien. Durch eigene Recherchen konnte jedoch die Information gewonnen werden, dass sich ROA SaZ 3 anderer Truppengattungen für ihren Truppenschulbesuch ihre Fähigkeitsausbildung selbst wählen konnten. Aufgrund der mir vorliegenden Informationen über die Fähigkeiten unserer Truppengattung und den vorherrschenden Umständen sowie der Überzeugung, dass luftgestützte unbemannte Aufklärung in Zukunft eine größere Rolle einnehmen wird, entschied ich mich dafür – damit wagte ich für mich etwas Neues und vieler Meinungen nach auch etwas „Anderes“. 

Dies lag Zielmitte in der Absicht des Kommandeurs, der Reservisten in allen Fähigkeiten ausbilden will, das Kommando Heer hingegen sah das anders. Nun prüften verschiedene Stellen der Bundeswehr dieses Anliegen. Alle zwei Wochen gab es eine andere Meldung als Zwischenprüfergebnis. Am Ende des Praktikums unterlag die Absicht des Kommandeurs, Reserveoffiziere in allen Fähigkeiten vorhalten zu können, der  Vorschriftenlage der Bundeswehr. Somit sollte ich weiterhin der Spähaufklärung erhalten bleiben. Mit dem Jahreswechsel 2015/2016 trat ich meinen Dienst an der Truppenschule der Heeresaufklärungstruppe in MUNSTER an. Hier kam es wieder zu einer Lageänderung. Da der Hörsaal der Spähaufklärung nur noch einem Soldaten Platz bot, ließ man einem weiteren ROA SaZ 3 aus Lüneburg und mir die Wahl, welcher von uns beiden in den Hörsaal LUNA wechseln wolle. Noch am selben Tag konnten wir uns einigen und uns auf die Hörsäle aufteilen. Ich entschied mich für LUNA und gegen die  geprüfte Vorschriftenlage. Die folgenden Monate bestanden aus der Ausbildung in unseren Fähigkeiten und aus den allgemeinen Lehrgängen. Der Hörsaal bestand aus acht Soldaten, was zu einer angenehmen Lernatmosphäre führte und das Gefühl einer kleinen Kampfgemeinschaft bot. Die Ausbildung im Hörsaal LUNA muss an dieser Stelle als kompetent, kameradschaftlich und insgesamt als sehr gut bezeichnet werden. Im Anschluss der 15-monatigen Ausbildung durfte ich wieder nach EUTIN in das Bataillon zurückkehren, wo ich die restlichen drei Monate im LUNA-Zug auch im Flugdienst eingesetzt wurde und somit Übungsvorhaben möglich machen konnte.

Abschließend kann ich aufgrund meiner Erfahrungen nur dafür werben, weitere Reservisten auch für nicht vorgesehene Fähigkeiten zu gewinnen, um dem eigenen Bereich auch eine fachkundige Reserve zu ermöglichen. Die 4. Kompanie hat den ersten Schritt bereits gemacht.

Lt d.R. Nielsen

Torben Nielsen
4 Kompanie

Zum aktuellen Blättermagazin

JSN Sky template designed by JoomlaShine.com