Familienbetreuung

Familien & Partnerseminar

Einsatznachbereitung ist nicht wichtig? Weit gefehlt!

FPS03Ziel, Sinn und Zweck ist es den Einsatz gedanklich abzuschließen und auch ggf. Konflikte auf- und abzuarbeiten. Sicherlich kann man tief liegende, vielleicht sogar weit zurück liegende Erlebnisse nicht in Gänze verarbeiten und zum Ausdruck bringen, doch es ist für mich der erste Schritt in die richtige Richtung, denn reden hilft. Und sprechenden Menschen kann geholfen werden! Sollten im Einsatz belastende Ereignisse vorgefallen sein, wird das Psychosoziale Netzwerk (PSN) informiert. Und es werden Personen aus diesem Netz bei den Einsatznachbereitungsseminaren vor Ort sein und zur Verfügung stehen.

Leider wird nicht nur das
Familien-/Partnerseminar immer noch viel zu oft belächelt oder nicht für ernst genommen. Ich wiederhole mich da gerne: Die Nachbereitung ist genauso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger, als der Einsatz mit seiner Vorbereitung. Und es versteht sich von selbst, dass es mehr als kameradschaftlich ist, jüngeren Kameraden zur Seite zu stehen und bei der Aufarbeitung, Nachbereitung zu unterstützen. Lange genug ist es bekannt, dass nicht nur wir im Einsatz sind, sondern unsere Partnerinnen/Partner zu Hause genauso ihren „Mann“ und auch „Frau“ stehen, gilt es doch die Aufgaben/Tätigkeiten zu übernehmen, die doch sonst der/die Andere erledigt hat.

Nun, wie läuft bisher so ein Familien-/Partnerseminar ab: Am ersten Tag steht die Anreise, Check IN und die Begrüßung im Vordergrund. Gleichwohl werden die Familien aufgeteilt, in klassisch drei Gruppen, die da wären: Kinder, Angehörige und Soldaten. Dann wird in den Gruppen maximal eine Vorstellungsrunde durchgeführt. Vorher haben die Eltern Zeit, um ihre Kinder in die Betreuung zu geben. Bei der Vorstellungsrunde könnten die Kinder teilnehmen, doch spätestens in den Gesprächsrunden ist es sinnvoll ohne Kinder zu moderieren, können doch Traurigkeit und oder brisante nicht kindgerechte Themen auftreten und angesprochen werden.

Am nächsten Tag stehen dann getrennte, doch in den Gruppen homogen, Gesprächsrunden auf dem Programm. Und es wird darauf geachtet dass die Familien ausreichend Zeit für sich nehmen können. Es werden verschiedene Attraktivitäten, wie z.B. Spaziergänge, Lagerfeuer mit Stock-/Knübbelbrot, Kutschfahrten u.o.ä. angeboten. Alles ohne Zwang, Verpflichtung daran teilzunehmen. Am letzten Tag werden die Gruppen erst noch ohne Kinder zusammengeführt und am Ende findet dann eine gemeinsame Verabschiedung statt. Wenn man sich für ein Partner-/Familienseminar entscheidet, steht für mich außer Frage, dass die Partner an den Gesprächsrunden teilnehmen. Auch wenn man der Meinung ist, bzw. die Tatsache besteht wir kennen uns nicht und dienen nicht in einem Verband, denn eines verbindet alle unsere Lieben daheim: die zum Teil lange Abwesenheit eines geliebten Menschen.

Ich möchte als Kamerad, ausgebildeter Peer und Lotse Ihnen/Euch für die Zukunft alles Gute sowie viel Gesundheit und Kraft wünschen und mit meinem Motto schließen:

"Wenn zuhören zur Hilfe wird"

Ihr/Euer

SF Michael Schmidtke

We are Family
Familien ABC

Schwere Kanonen und feine Antennen

Soldat mit Erfahrung, dem richtigen Gespür für Angehörige und Kameraden und ein Glücksgriff für das Bataillon

Schm 1 420Stabsfeldwebel Michael Schmidtke kam als Wehrpflichtiger zur Bundeswehr. Im April 1992 wurde er Teil der Panzeraufklärungstruppe, die seit 2007 zur Heeresaufklärungstruppe erweitert wurde. Er leitete die Familienbetreuungsstelle in Eutin. Seinen Werdegang im Deutschen Heer stellen wir hier vor.

Der gelernte Elektroinstallateur suchte nach seinem Schulabschluss und der darauffolgenden Lehre nach neuen Herausforderungen und fand sie bei den Aufklärern. Beeindruckt von den ersten Monaten beim Militär verpflichtete er sich für vier Jahre und wurde Unteroffizier auf dem Waffensystem Leopard II, heute bekannt aus der Panzertruppe, in den 1990ern auch ein Teil der sogenannten schweren Aufklärer – der Bereich, wo es die „echten Kerls“ hinzog, wie man im Norden sagt.

Seine Vorgesetzten erkannten damals schon sein Potenzial. So war es keine Überraschung, dass Stabsfeldwebel Schmidtke in der Feldwebel-Laufbahn Karriere machte. 1997 wurde er dann auch auf dem Spähpanzer Luchs, dem flinken Gefährten des mächtigen Leoparden, ausgebildet und ging in den SFOR-Einsatz nach Bosnien. Diese fünf Monate forderten, aber Schmidtke zeigte dabei auch, dass er ein Talent zur Menschenführung hat und seinen Kameraden große Empathie entgegen bringt. So zog es ihn an die Panzertruppenschule nach Munster, wo er viereinhalb Jahre lang den Unteroffizier- und Feldwebel-Nachwuchs ausbildete. Dort zeigte er, was es heißt, jeden Tag ein Vorbild zu sein. 

Mit der Umstrukturierung der Aufklärungskräfte hin zur Heeresaufklärung erweiterte Stabsfeldwebel Schmidtke sein Repertoire. Seine besonderen Charakterzüge und seine Fähigkeit sich auf seine Mitmenschen einstellen zu können, machten ihn zu einem guten Befrager-Feldwebel bei den Feldnachrichtenkräften. Eineinhalb Jahre in der neuen Funktion und schon ging es in den ersten Auslandseinsatz als Feldnachrichten-Feldwebel. Erneut Bosnien, jetzt aber unter dem Mandat EUFOR für fünf Monate und nach einjähriger Pause noch einmal drei Monate als Mitglied der gemischten Aufklärungskompanie im Kosovo.

Nach all dieser Zeit fern von zuhause bot sich dem Aufklärer eine neue Chance. Sein Kommandeur wollte ihn mit all seinen Fähigkeiten mehr auf der Planungs- und Führungsebene haben und zog ihn daher in den Bataillonsstab. Als Mitarbeiter des Lagezentrums ist der erfahrene Stabsfeldwebel seit 2009 der Ansprechpartner für alle Soldaten des Bataillons, wenn es um die aktuellen Einsätze geht. Mit seinem Namen wird heute das Lagezentrum des Bataillons verbunden. Dabei koordiniert er die gesamte Vorbereitung und Planung des Einsatzpersonals und kontrolliert deren Ausbildungsstand, so dass sie alle gemeinsam und perfekt vorbereitet in die schwierigen Einsätze starten können.

Da einen ein solcher Dienstposten leider viel an den Computer bindet, Schmidtke aber auch seine Kameraden und deren Familien persönlich am Herzen liegen, ließ er sich zum Leiter der Familienbetreuungsstelle ausbilden. Mit den Erfahrungen der Einsätze aus Kosovo, Bosnien, Afghanistan und Mali wurde Schmidtke immer mehr zur ersten Ansprechstelle für Probleme, die solche Einsätze mal mehr, mal weniger mit sich bringen. Da er immer einen hohen Anspruch an sich selbst hat und nichts von halben Lösungen hält, ließ er sich zum Peer, Moderator und Lotsen ausbilden. Als Lotse hilft er Kameraden und deren Familien besonders in schwierigen Zeiten, meist mit Auslandseinsätzen verbunden, weiter.

Schm 2 300Durch seine langjährigen Erfahrungen auf schwerem Gerät, durch seine Auslandseinsätze in Krisenregionen und durch die Ausbildung der jungen Unteroffiziere und Feldwebel weiß Stabsfeldwebel Schmidtke, worauf es dem Soldaten ankommt, wenn es zum Ernstfall kommt. Durch seinen Einsatz an der „Heimatfront“ hält er die Soldatenfamilien zusammen, organisiert liebevoll Familienausflüge an die Seen Ostholsteins oder in Freizeitparks, ist Sorgentelefon für jedermann und Mann des Vertrauens, wenn den Soldaten Eindrücke aus dem Einsatz nicht mehr loslassen. Früher vielleicht einmal belächelt, weiß heute jeder, was er oder sie an Kameraden wie Schmidtke hat, denn durch seinen Dienst kommen unsere Familien besser mit den besonderen Herausforderungen der Einsätze zurecht. 

Probleme werden nicht verschwiegen, sondern kommen bei ihm auf den Tisch. Mit seinem Netzwerk kann er die Kameraden unterstützen und ist dadurch genau der Mann, den unsere Männer und Frauen aufsuchen, wenn selbst Einzelkämpfer- und Dschungelkampflehrgang nicht mehr ausreichen, um klarzukommen. Und erst, wenn all das am Ende des Tages getan ist, fährt er zu seiner Familie nach Hause und ist dort in der Rolle, die ihn am meisten erfüllt: als Ehemann und Vater einer großen Familie auf einem Holsteiner Hof im Grünen.

Quelle: www.deutschesheer.de

Text: M. Unkel, Fotos: Bundeswehr/AufklBtl 6

In eigener Sache

Mit dem gleichen Schwung ist SF Schmidtke im Vorstand der Kameradschaft, für die Berichte aus dem Bataillon für den „Aufklärer“ tätig.

Er wählt die Themen aus, gewinnt die „Schreiber“, und bis zum Korrekturlesen, arbeiten wir beide über das ganze Jahr jede Woche zusammen.

Dafür gebührt ihm Dank und Anerkennung von uns allen.

M. Rath

 

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